Honigbiene

Honigbienen

Neben Rind und Schwein ist die Honigbiene das drittwichtigste Nutztier und zugleich unser kleinstes Haustier.

Die Bestäubung unserer Blütenpflanzen vom Obstbaum bis zum Rapsfeld durch die Honigbiene kann nicht hoch genug bewertet werden. Im Gegensatz zu Wildbienen und Hummeln sind die Honigbienen trachttreu, d. h. sie sammeln nicht wahllos durcheinander, sondern fliegen pro Sammelflug nur die Blüten einer Pflanzenart an. So gelangt der Blütenstaub immer auf die richtige Pflanze und die Anzahl der Früchte und deren Qualität steigt erheblich. Honigbienen sind die wichtigsten Bestäuber, ohne sie wären die Ernteausfälle in der Landwirtschaft und bei den Obstbauern katastrophal.

Im Obstanbau sind unsere Honigbienen für 90 % der Bestäubung zuständig und der volkswirtschaftliche Wert der Bienenbestäubung wird in Deutschland auf über 2,5 Milliarden Euro geschätzt. Die Honigbienen bestäuben 85 % aller von Insekten bestäubten Blütenpflanzen und von diesen weltweit 170.000 Blütenpflanzenarten sind 40.000 direkt von Bienen abhängig, d. h. ohne die Honigbienen würden diese 40.000 Pflanzenarten aussterben.

 

Während einer Saison kann ein Bienenvolk 300 kg Honig produzieren, das meiste davon verbrauchen sie als "Flugbenzin" und zum Heizen selbst, nur ein kleiner Teil wird vom Imker geerntet. Um diese unglaublichen Mengen einzutragen vollbringen Honigbienen Großartiges. Sie müssen jährlich ca. 7,5 Millionen mal ausfliegen und dabei legen sie unglaubliche 20 Millionen Flugkilometer zurück, das entspricht in etwa der Hälfte der Distanz Erde-Venus. In einem Jahr werden zudem etwa 25 bis 30 kg Pollen gesammelt, was wiederum eine Gesamtleistung von zwei Millionen Ausflügen bedeutet. Dabei besuchen die Sammlerinnen Blüten in einem Radius von 2 bis 3 km um den eigenen Stock. (Jürgen Tautz "Phänomen Honigbiene")

 

Die Bienen legen sich dabei eine innere Karte des Sammelgebietes an und sind in der Lage auf Grund von Mitteilungen anderer Sammlerinnen (Schwänzeltanz auf der Wabe) jede Blüte zielgenau anzusteuern. Der Neurologe Professor Randolf Menzel aus Berlin hat Versuche durchgeführt und nachgewiesen, dass es den Bienen sogar möglich ist, ihre Position im Raum punktgenau zu bestimmen. So konnte bei markierten Bienen und im Gelände aufgestellten Futterschalen nachgewiesen werden, dass die Biene sich über ihre Lage in der Landschaft genau bewusst ist, und sogar ein Abbild des gesamten Sammelgebietes im Kopf gespeichert hat. Wenn die Biene im Stock die Meldung anderer Sammlerinnen über eine entfernte Futterquelle mitbekommt und selbst noch zu ihrer alten Futterquelle zurückfliegt und diese dann aber geleert vorfindet, ist sie in der Lage, die Informationen der anderen Sammlerinnen aus dem Stock auf ihre Position zu übertragen. Hierzu muss man wissen, dass beim Schwänzeltanz eine Futterquelle immer in Relation zum Stock, zum Sonnenstand und die jeweilige Entfernung angegeben wird. Zu erwarten wäre, dass die Biene zum Stock zurückfliegt und von dort aus die neue Futterquelle ansteuert. Diese Information hat sie durch den Schwänzeltanz ja erhalten und es wäre schon eine verplüffende gedankliche Leistung, wenn sie sich dies alles gemerkt hätte.

Aber die Biene kann noch viel mehr, sie kann den Weg zur neuen Futterquelle von ihrem augenblicklichen Standort aus berechnen. Sie fliegt direkt von ihrem aktuellen Standort zielgerichtet in gerader Linie den neuen Sammelpunkt an. Eine schier unglaubliche gedankliche Leistung, wenn man das Sammelgebiet von ca. 12 m2 Kilometer bedenkt. Um dies leisten zu können, muss sie das gesamte Sammelgebiet abgespeichert haben und sie muss sich ihres eigenen Standortes auf dieser Karte und die Lage der neuen Sammelquelle bewusst sein. Wenn man sich nun noch die Größe dieses Insekts, die kurze Lebenszeit von gerade einmal 40 Tagen und die Dimension des Sammelgebietes vor Augen führt, dann kann man nur noch ehrfürchtig staunen. Was diese Tiere an gedanklicher Leistung vollbringen ist unglaublich, sie gehören mit zu den intelligentesten Lebewesen unseres Planeten. (Prof. Randolf Menzel "Die Intelligenz der Bienen)