{"id":297,"date":"2022-11-14T15:28:11","date_gmt":"2022-11-14T15:28:11","guid":{"rendered":"https:\/\/bluehendes-bad-camberg.de\/?p=297"},"modified":"2022-11-14T15:28:13","modified_gmt":"2022-11-14T15:28:13","slug":"tatorte-des-insektensterbens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bluehendes-bad-camberg.de\/?p=297","title":{"rendered":"Tatorte des Insektensterbens"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Journalistin Anke Sparmann hat das Insektensterben in Deutschland recherchiert und einen ersch\u00fctternden Artikel in der Zeitschrift Geo\/M\u00e4rz 2017 ab Seite 54 ver\u00f6ffentlicht. Hier eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Tatorte des Insektensterbens in Deutschland:<\/p>\n\n\n\n<h4>Krefeld<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Mitglieder des Vereins Krefelder Entomologen erfassen seit 100 Jahren die heimische Insektenwelt. Etwa 50 Standorte haben die Insektenkundler beprobt, von der Feuchtwiese \u00fcber Kiesgruben und Waldr\u00e4nder. Hierzu werden Insektenfallen aufgestellt, die Proben werden gewogen, analysiert, die Arten bestimmt und sorgf\u00e4ltig pr\u00e4pariert und gelagert, seit Jahrzehnten. Waren 1989 noch 1,4 Kilogramm Insektenmasse in den einzelnen Fallen zu finden, so sind es mittlerweile nur noch 294,4 Gramm. Ein R\u00fcckgang von fast 80% in allen Fallen auf allen Beobachtungsgebieten.<\/p>\n\n\n\n<h4>Isarauen bei Dingolfing<\/h4>\n\n\n\n<p>\u00d6kologen haben hier 2006 58 Wildbienenarten entdeckt, in 2016 sind es nur noch 14 Arten.<\/p>\n\n\n\n<h4>Leibziger Auenwald<\/h4>\n\n\n\n<p>Im Kronenraum wurden 2002 mehr als 2100 Tiere gez\u00e4hlt, von dutzenden verschiedenen Bienen- und Wespenarten. 2016 fehlen die H\u00e4lfte der Arten und zwei Drittel der Individuen.<\/p>\n\n\n\n<h4>Goldberg in Baden-W\u00fcrttemberg<\/h4>\n\n\n\n<p>Hier wurde ein Schutzgebiet f\u00fcr die Schwarze M\u00f6rtelbiene eingerichtet, mit Sperrbezirk, Nistm\u00f6glichkeiten und eigens angepflanzten Futterpflanzen. Die Zahl der Nester hat sich trotz aller Unterst\u00fctzung binnen 10 Jahren halbiert.<\/p>\n\n\n\n<h4>Keilberg bei Regensburg<\/h4>\n\n\n\n<p>Seit 1766 werden in dem Schutzgebiet Schmetterlinge gez\u00e4hlt. Der Keilberg ist damit eines der \u00e4ltesten und dauerhaftesten Schmetterlingsbeobachtungsgebiete in Deutschland. In 250 Jahren wurden durchschnittlich 1.500 Arten nachgewiesen. Seit dem Jahr 2000 fehlen \u00fcber 500 Schmetterlingsarten, alle spurlos verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<h4>Niederrhein bei Krefeld<\/h4>\n\n\n\n<p>Binnen 10 Jahren werden 60% der Hummelarten am Niederrhein vermisst.<\/p>\n\n\n\n<h4>Leverkusen<\/h4>\n\n\n\n<p>In Leverkusen wurden bei Z\u00e4hlungen Ende der 90iger Jahre 60 verschiedene Schmetterlingsarten nachgewiesen. Heute gibt es in Leverkusen gerade noch 5 Schmetterlingsarten.<\/p>\n\n\n\n<h4>Weltweit<\/h4>\n\n\n\n<p>Der Weltrat f\u00fcr Biodiversit\u00e4t IPBES hat im M\u00e4rz 2016 eine internationale Studie zur Lage der Insekten vorgelegt. Weltweit sind in manchen Regionen 40 % der Fluginsekten vom Aussterben bedroht. Es zeigen sich weltweit die gleichen Ursachen: zunehmender Verlust an nat\u00fcrlichen Lebensr\u00e4umen, intensive Landwirtschaft, steigender Einsatz von Pestiziden, genver\u00e4nderte Pflanzen, invasive Arten, Klimawandel und Krankheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auff\u00e4llig ist in allen F\u00e4llen der zeitliche Zusammenhang des massiven R\u00fcckgangs der Populationen innerhalb der letzen 10 Jahre. 2007 stieg der Einsatz neonicotinoidhaltiger Mittel in Deutschland rasant an, von 652 Tonnen in 2006 auf 1656 Tonnen seit 2007. Mittlerweile hat man nachgewiesen, dass sich die Neonicotinoide weit \u00fcber ihre eigentlichen Einsatzgebiete ausbreiten. Es h\u00e4ufen sich die Hinweise, dass sich die Mittel in die Umwelt jenseits der Einsatzgebiete unkontrolliert und dauerhaft verbreiten. Bei mit Neonicotinoiden gebeizten Saatgut werden nur etwa 5 % des Wirkstoffes von der Kulturpflanze aufgenommen, 95 % gelangen vollkommen unkontrolliert in den Boden. Ein Umweltskandal ungeahnten Ausma\u00dfes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Journalistin Anke Sparmann hat das Insektensterben in Deutschland recherchiert und einen ersch\u00fctternden Artikel in der Zeitschrift Geo\/M\u00e4rz 2017 ab Seite 54 ver\u00f6ffentlicht. 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