{"id":345,"date":"2022-11-24T16:16:34","date_gmt":"2022-11-24T16:16:34","guid":{"rendered":"https:\/\/bluehendes-bad-camberg.de\/?p=345"},"modified":"2022-11-24T16:16:35","modified_gmt":"2022-11-24T16:16:35","slug":"einsatz-von-pestiziden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bluehendes-bad-camberg.de\/?p=345","title":{"rendered":"Einsatz von Pestiziden"},"content":{"rendered":"\n<p>Der R\u00fcckgang von Best\u00e4uberinsekten ist unter anderem auf den Einsatz von Pestiziden zur\u00fcckzuf\u00fchren, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um bei Kulturpflanzen Krankheiten und Sch\u00e4dlingsbefall vorzubeugen. Dazu z\u00e4hlen unter anderem Insektizide, Herbizide und Fungizide.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr einige Pestizide wurde die sch\u00e4digende Wirkung auf Nichtzielorganismen wie Best\u00e4uberinsekten bereits wissenschaftlich nachgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Mitte der 1990er-Jahre werden Pestizide aus der Familie der Neonicotinoide in der Landwirtschaft insbesondere als Beizmittel f\u00fcr Saatgut eingesetzt. Neonicotinoide sind gut wasserl\u00f6slich, das Insektizid wird durch das im Boden befindliche Wasser gel\u00f6st und von den Wurzeln der wachsenden Pflanzen aufgenommen. Das Insektizid wirkt systemisch, verteilt sich also in der gesamten Pflanze und ist sp\u00e4ter auch im Pollen und im Nektar zu finden. Durch die systemische Wirkung sch\u00fctzen Neonicotinoide die Pflanze vor Fra\u00dfinsekten. Allerdings werden nur ca. 5 % des Wirkstoffs von der zu sch\u00fctzenden Pflanze aufgenommen, ein kleiner Teil verfliegt als f\u00fcr Insekten giftiger Staub, der Rest verteilt sich \u00fcber das Wasser im Boden [1],[2].<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zusammenhang mit dem seit etwa 10 bis 15 Jahren von Imkern beobachteten zunehmenden Bienenverlust, haben sich die Hinweise auf eine Beteiligung von Neonicotinoiden verdichtet [3].<\/p>\n\n\n\n<p>So f\u00fchrte 2007 das erstmalige Auftreten des Maiswurzelbohrers in Deutschland zu einem vermehrten Einsatz des Neonicotinoids Clothianidin in Baden-W\u00fcrttemberg. W\u00e4hrend und nach der Maisaussaat im Fr\u00fchjahr 2008 wurden hohe Verluste bei den Bienenv\u00f6lkern im Oberrheintal gemeldet, wobei die Symptome auf eine Vergiftung hindeutenden. Durch Analysen konnte best\u00e4tigt werden, dass die Sch\u00e4digungen durch Abdrift bei der Aussaat von Clothianidin-gebeiztem Maissaatgut verursacht wurden. Betroffen waren \u00fcber 700 Imker mit ca. 12.000 Bienenv\u00f6lkern [4].<\/p>\n\n\n\n<p>Neonicotinoide wirken auf Rezeptoren im Insektengehirn, indem sie an diese Rezeptoren binden und die Reizweiterleitung an die nachgeschaltete Nervenzelle st\u00f6ren. Wie man inzwischen wei\u00df, verursachen Neonicotinoide in hohen Dosen L\u00e4hmung und Tod, in niedrigen Dosen beeinflussen sie wichtige Gehirnfunktionen, wie Wahrnehmung, Erinnerungs- und Lernverm\u00f6gen, Orientierungsf\u00e4higkeit sowie Kommunikation [3],[5],[6].<\/p>\n\n\n\n<p>Neuere Daten zeigen, dass Neonicotinoide nicht auf die behandelten Kulturpflanzen beschr\u00e4nkt bleiben, sondern auch Obenfl\u00e4chenw\u00e4sser, B\u00f6den und Wildpflanzen kontaminieren [1],[2],[7].<\/p>\n\n\n\n<p>Die Halbwertszeit im Boden ist abh\u00e4ngig vom jeweiligen Wirkstoff, von der Beschaffenheit des Bodens sowie der jeweiligen Untersuchungsmethode. F\u00fcr die am h\u00e4ufigsten verwendeten Neonicotinoide wird die Halbwertszeit im Boden typischerweise mit 200 bis zu \u00fcber 1.000 Tage angegeben [8].<\/p>\n\n\n\n<p>Im April 2012 beauftragte die Europ\u00e4ischen Kommission die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit der Erstellung eines Risikobewertungsberichts im Zusammenhang mit der Verwendung von drei Neonicotinoiden (Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam), der im Januar 2013 ver\u00f6ffentlicht wurde [9].<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund fehlender Daten konnte die EFSA ihre Risikobewertung nicht abschlie\u00dfen, so dass die EU-Kommission 2013 nur ein Teilverbot zur Anwendung dieser Wirkstoffe verabschiedete.<\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4\u00df der Durchf\u00fchrungsverordnung (EU) Nr. 485\/2013, die zum 1. Dezember 2013 in Kraft trat, sind Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam auf gewerbliche Anwender zu beschr\u00e4nken und in bestimmten Kulturen zur Saatgut-, Boden- und Blattbehandlung verboten bzw. nur nach der Bl\u00fcte zul\u00e4ssig.<\/p>\n\n\n\n<p>Im August 2016 best\u00e4tigte die EFSA, dass Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid ein Risiko f\u00fcr Bienen darstellen, wenn sie als Spritzmittel zur Blattbehandlung eingesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Neubewertung der drei Neonicotinoide (Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam) zur Saatgutbehandlung und als Granulat hat die EFSA auf Aufforderung der Europ\u00e4ischen Kommission im Mai 2015 zur Einreichung neuer wissenschaftlicher Daten zu Bienen (Honigbienen, Hummeln und Solit\u00e4rbienen) aufgerufen. Die aktualisierten Bewertungen, die sich mit dem Einsatz der Stoffe zur Saatgutbehandlung und als Granulat befassen, sollten urspr\u00fcnglich bis Januar 2017 abgeschlossen sein, der Termin wurde jedoch bis zum 30. November 2017 verl\u00e4ngert.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl bei den derzeitigen Untersuchungen die Bienen als Best\u00e4uber und Nutztiere im Fokus stehen, darf man auch die Folgen f\u00fcr andere Tiergruppen nicht vergessen. Neonicotinoide sind aufgrund ihres Wirkmechanismus f\u00fcr alle Insekten und andere wirbellosen Tiere sch\u00e4dlich. Wirbeltiere sind aufgrund eines modifizierten Rezeptors weniger anf\u00e4llig, allerdings macht auch hier die Dosis das Gift und Forscher sehen bspw. einen Zusammenhang zwischen der Abnahme von insektenfressenden Vogelarten und hohen Neonicotinoid-Konzentrationen in ihrer Umwelt [7],[10].<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Referenzen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>[1]&nbsp;&nbsp;&nbsp; Greenpeace 2017. Umweltrisiken durch Neonicotinoide: eine \u00dcberpr\u00fcfung der wissenschaftlichen Datenlage seit 2013<\/p>\n\n\n\n<p>[2]&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wood TJ, Goulson D The Environmental Risks of neonicotinoid pesticides: a review of the evidence post-2013. https:\/\/doi.org\/10.1101\/098897<\/p>\n\n\n\n<p>[3]&nbsp;&nbsp;&nbsp; Blacqui\u00e8re T, Smagghe G, van Gestel CAM, Mommaerts V. Neonicotinoids in bees: a review on concentrations, side-effects and risk assessment. Ecotoxicology (London, England). 2012;21(4):973-992. doi:10.1007\/s10646-012-0863-x.<\/p>\n\n\n\n<p>[4]&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und l\u00e4ndlichen Raum Baden-W\u00fcrttemberg. Abschlussbericht Beizung und Bienensch\u00e4den. 17. Dezember 2008<\/p>\n\n\n\n<p>[5]&nbsp;&nbsp;&nbsp; Menzel R. Wie Pestizide (Neonicotinoide) die Navigation, die Tanz-Kommunikation und das Lernverhalten von Bienen ver\u00e4ndern. Rundgespr\u00e4che der Kommission f\u00fcr \u00d6kologie, Bd. 43 \u00bbSoziale Insekten in einer sich wandelnden Welt\u00ab, S. 75-83.<\/p>\n\n\n\n<p>[6]&nbsp;&nbsp;&nbsp; Fischer J, M\u00fcller T, Spatz A-K, Greggers U, Gr\u00fcnewald B, Menzel R. Neonicotinoids Interfere with Specific Components of Navigation in Honeybees. Naug D, ed. PLoS ONE. 2014;9(3):e91364. doi:10.1371\/journal.pone.0091364.<\/p>\n\n\n\n<p>[7]&nbsp;&nbsp;&nbsp; Deutscher Bundestag. Drucksache 18\/2531. Neuere Forschungsergebnisse zur Gef\u00e4hrdung von Best\u00e4uberinsekten, V\u00f6geln und weiterer Organismen durch systemische Pestizidwirkstoffe (insbesondere Neonicotinoide) und der sich daraus ergebende Handlungsbedarf f\u00fcr Regulierung und Forschung<\/p>\n\n\n\n<p>[8]&nbsp;&nbsp;&nbsp; Goulsen D. An overview of the environmental risks posed by neonicotinoid insecticides. Journal of Applied Ecology 2013, 50, 977\u201398. doi: 10.1111\/1365-2664.12111<\/p>\n\n\n\n<p>[9]&nbsp;&nbsp;&nbsp; EFSA. Bienengesundheit; <a href=\"http:\/\/www.efsa.europa.eu\/de\/topics\/topic\/bee-health-0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/www.efsa.europa.eu\/de\/topics\/topic\/bee-health-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>[10]&nbsp; Hallmann CA, Foppen RP, van Turnhout CA, de Kroon H, Jongejans E. Declines in insectivorous birds are associated with high neonicotinoid concentrations. Nature. doi: 10.1038\/nature13531<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Martina Arnold, Biologin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der R\u00fcckgang von Best\u00e4uberinsekten ist unter anderem auf den Einsatz von Pestiziden zur\u00fcckzuf\u00fchren, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um bei Kulturpflanzen Krankheiten und Sch\u00e4dlingsbefall vorzubeugen. 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